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Was Blogger von Meister Proper lernen können.

Ansichten eines Markenarbeiters.

Die Bloggerszene explodiert. Die Früheinsteiger (marketingtechnisch: early adopters) haben sich längst die guten Startplätze gesichert und wie beim Berlinmarathon eine Massenveranstaltung daraus gemacht. Bloggen gehört heute zum guten Ton. Nun kann also selbst die träge Masse (marketingtechnisch: late adopters) nicht weiter außen vorbleiben und wortlos zusehen. Es ist soweit. Die breite Masse bequemt sich nun vor die Tastatur ihres Rechners, um ihre Stimme auch in der virtuellen Welt zu erheben. Die Blogosphäre erlebt ihren zweiten Urknall. In Lichtgeschwindigkeit rauschen mehr Themen, mehr Stimmen, mehr Blogs ins Virtuelle. Mehr Aufmerksamkeit gibt es allerdings nicht. Wer will schon als unbeachteter Weltraumschrott durch die unendlichen Weiten unseres Kommunikationsalls trudeln?
Der gute, alte Darwin hat es uns für Mutter Natur und die Galapagos Inseln erklärt.
Alt, aber wahr. Die Gesetze von Mutter Natur gelten auch in virtuellen Welten. Der Selektionsdruck steigt und damit auch das Selektionsrate. Das Netz vergisst ja angeblich nichts, aber sie trauert auch niemandem hinterher und selektiert gnadenlos aus. Survival of the fittest ist im Netz gerade schwer angesagt. Wobei fittest nicht den Erholungswert nach körperlichen Belastungen beschreibt, sondern die Qualität der optimalen Passung. So gesehen blicken wir einem kommenden Massensterben entgegen.
Wird man ihren Blog vermissen, wenn Sie ihn morgen nicht mehr schreiben? Würde die Trauer länger als eine Woche dauern?
Wie kann sich ein Blogger durchsetzen und auch in der digitalen Welt die seinen ernähren und sich erfolgreich vermehren?

Hier kann der „gemeine“ Blogger viel von Markenpersönlichkeiten wie Meister Proper und Co lernen. Auch im Regal herrscht grenzenlose Überfüllung. Die Zeiten der Mangelgesellschaft kennen wir nur noch aus den Erzählungen unserer Großeltern.
Kommen wir nun mal zu den spannenden Fragen:
Was macht eine erfolgreiche Marke aus?
Und was kann ein Blogger davon lernen? Wie immer sind aller guten Dinge auch bei der Markenbildung drei. Eine einfache Formel. Können plus Charakter mal Kontinuität.

1. Können ist der Anfang von allem.
Die Grundlage jeder Marke ist ihre Produktqualität. Vor dem Können, kommt nun mal die Qual – auch beim Bloggen. Allen interessierten Lesern sei hier Malcolm Gladwells Buch „Überflieger“ empfohlen und seine 10.000 Stunden Formel, die aus Talenten echte Überflieger gemacht hat. In Zeiten wie diesen werden die Inhaltsstoffe täglich wichtiger: ein gutes Thema, ein guter Gedanken, gute Momente und gute Worte.
Konzentration erhöht die Kraft. Die Fokussierung auf ein Thema und eine Perspektive. Weniger wirkt mehr. Denn mit der Klarheit der Aussage und der Positionierung steigt auch die Orientierung. Der erste Schritt zur Wertschöpfung einer Marke.

2. Der Charakter macht den Unterschied. Oder der USP ist tot. Es lebe der UAP.
Auch im Markenartikelgeschäft schläft die Konkurrenz nicht mehr. Nicht mal mehr nachts. Die jahrzehntelang in Hörsälen gepredigte Unique Selling Proposition (der hochgeschätzte einzigartige Produktvorteil) spielt heute im Kampf um Käufer keine Rolle mehr. Jedes Waschmittel wäscht weiß und alle Haushaltsreiniger putzen heute so sauber, dass man sich drin spiegeln kann. Die Produkte sind sich zu ähnlich geworden, die Adaptionsgeschwindigkeit der Wettbewerber hat Lichtgeschwindigkeit erreicht. Heute unterscheiden sich Marken vor allem durch ihre Haltung. Die Unique Attitude Proposition (haben wir extra erfunden). Die amerikanische Trendforscherin Faith Popcorn beschreibt die Wirkung von Marken so: Menschen von heute kaufen keine Marken, sie schließen sich einer Marke an. Identifikation wird zum wertvollen Gut. Willkommen in der i-Conomy. Folglich ist es für Blogger „lebenswichtig“ in der virtuellen Welt schnell und eindeutig Haltung zu zeigen. Und diese muss sichtbar und erlebbar sein. Nur dann kann sich der geneigte Leser damit identifizieren und schließt sich auch an. Blogger sehen Werbung von Natur aus eher kritisch. Auch Werbung für sich selbst. Kaum findet man den sonst in der Werbewelt so verbreiteten Claim. Wie im guten alten Western, steckt der Claim dein Terrain ab. Ein Satz, an dem man sich orientieren kann und der auf wessen Boden man gerade herumsurft. Dabei ist noch viel Raum um mit eindeutigen Wort- und Bildzeichen klar zu machen, wofür sie stehen. Da sagt der eigene Name zu wenig. Phantasie ist gefragt. Entgegen der täglichen Praxis wirkt mehr beim Bloggen nicht mehr. Oft gewinnen Marken gerade dadurch an Kraft, dass sie bestimmte Dinge nicht tun. Sie bleiben sich selbst treu. Heißt für die Bloggergemeinde, man muss nicht zu allem und jedem eine Meinung haben.
Blogger bleibe bei deinem Thema.

3. Kontinuität. Von der großen Fähigkeit lange man selbst zu bleiben.
Die vielleicht größte Hürde der schnelllebigen Gemeinde. Marken von Welt bleiben sich schon mal gerne ein Jahrhundert lang treu. Dann sieht der Coca Cola Schriftzug immer noch so aus wie bei Opa und die Flasche hat ihre Form nicht verändert. Langweilig aber wirkungsvoll. Meister Proper trägt schon seit Jahrzehnten dasselbe T-Shirt, dieselbe Frisur und hört dieselbe Fanfare. Das hilft. Denn leider ist das Medium mit 3 Gigahertz viel schneller als die Lernfähigkeit der Leserschaft. Da dauert es nun schon mal ein paar Jahre bis man sich Namen merkt. In der Zwischenzeit hat sich der Blogger an seinem eigenen Logo längst sattgesehen und es geändert. Ein teurer Fehler. Google macht es mit großer Kreativität und Leichtigkeit vor, wie es geht. Man sorgt dafür, dass der Absender immer erkennbar ist, aber lässt spielerische Variationen zu. Diese sind allerdings nicht beliebig, sondern haben einen Bezug zum Datum oder Thema. Doch der schlimmste aller Fehler ist – den Namen zu wechseln. Verständlicherweise werden alte Namen mit der Zeit uncool, treffen den Kern der Sache nicht mehr so richtig und verlieren an Reiz.
Stellen wir uns mal kurz vor Meister Proper findet seinen Namen nicht mehr der Zeit angemessen und würde sich kurzerhand in DJ P umbenennen, um den Zeitgeist und seiner Gemütslage zu entsprechen. Das ist ein absolutes No go. Wer nicht Millionen an Werbespendings hat, sollte von dieser Möglichkeit Abstand nehmen.
Hier braucht der Blogger Kraft und Gelassenheit, denn sein Name im Netz ist sein größtes Kapital.

Bleibt die entscheidende Frage, warum sollte der Blogger das tun?

Weil er durch Qualität plus Charakter mal Kontinuität seine Identifikationskraft stärkt. Und das wird die entscheidende Währung der Zukunft. Die Welt ist zu komplex, die Informationen zu zahlreich, als das wir uns überall auskennen oder mitreden können. Also orientieren wir uns an Menschen und Marken, mit denen wir uns identifizieren.
Je stärker die Identifikationskraft, desto größer die persönliche Gestaltungskraft des Bloggers. Wenn er in der Lage ist die Aufmerksamkeit der Menschen auf ein Thema zu lenken und die Kräfte seiner Leser zu bündeln, gewinnt er an medialem Wert.
Dafür ist die Kraft der Identifikation wichtiger als die Anzahl der Leser. In gar nicht allzu langer Zeit, werden Blogger eigene Medien sein. Und so wird Huffington Post zum medialen Hoffnungsträger und Rettungsanker des Milliardenkonzerns AOL – wer hätte das gedacht? Meister Proper würde sie lesen.

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12 Antworten auf: Was Blogger von Meister Proper lernen können.

  1. Pingback: Ich bin kein Meister Proper | written in basic

  2. Danke für den Beitrag. Echt eine klasse Formel, werd ich mir mal merken. Das Beispiel Coca Cola ist gut… “Man selbst zu bleiben” ist dabei wohl ein wichtiges Kriterium.

  3. Woanders heisst das Reputation, aber ein origineller Vergleich.

  4. Die Tipps für Blogger zu geben, und ganzvielunlesbarentext dabei zu nutzen – ist einfach genial!

    Das Thema finde ich aber geil, gute Punkten genannt!

  5. Pingback: Beobachtungen aus KW 07/2011 « Visuelle PR – Die Macht der Bilder

  6. Hallo,

    vielen Dank Ihre diese nette Zusammenfassung. Es scheint wirklich so, als ob trotz Facebook viele Leute gerade wegen FB mit neuen Blogs starten – um im Blog eben das “mehr” machen zu können, was einem das Vorgabe-Layout usw, von FB nicht ermöglicht.

    Ein wenig wie damals 2000, als viele mit einer eigenen Homepage starteten. Wie beim Goldrausch: Verdienen tun an der Stelle nicht die Goldgräber, sondern die Leute, die die Schaufel verkaufen. ;)

    Viele Grüße aus Essen nach Düsseldorf,

    Gerd

    • Vielen lieben Dank für deinen netten Kommentar Gerd und entschuldige, dass ich ihn jetzt erst freigeschaltet habe. Aber irgendwie unterscheidet Akismet noch nicht richtig zwischen Spam und richtigem Kommentar :)

      Das Goldgräber und Schaufel Beispiel ist wirklich gut, passt sicherlich auch sehr gut in Präsentationen, muss ich mir mal notieren :)

      Liebe Grüße aus Düsseldorf nach Essen und bis zum nächsten mal

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  9. Pingback: Visuelle PR – Die Macht der Bilder · Beobachtungen aus KW 07/2011

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