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Chefsessel. Die Erfolgsgeheimnisse der obersten Etage. 006.

DMA_Chefsessel

“First be clear, than be clever.”

Die Einführung eines neuen Automodells ist für jede Agentur ein Platz am Futtertrog – der Ort, an dem Honig und Budgets fließen. Entsprechend heiß begehrt und heiß umkämpft sind sie. Entsprechend hatten wir uns ins Zeug gelegt, komplexe und raffinierte Strategien entwickelt, die Kreation auf Glanz poliert und den großen Showdown mit Einspielerfilmen und Running Gags einstudiert. Der Tag der finalen Präsentation. Die Tür öffnete sich und der CEO begrüßte uns herzlich und zeigte auf einen großen Tisch in der Mitte des Raums, mit der Bitte, dort unsere Kreation auszubreiten. Irritiert, aber um Gelassenheit im Gesicht bemüht, leisteten wir der Aufforderung Folge. Fünf Minuten später lagen unsere Ideen schutz- und wehrlos auf dem Tisch. Demonstrativ nahm ich den Platz des Oberlehrers vor der Klasse ein. Jeder sollte sehen, ich war bereit für den großen Showdown, als ich in aller Freundlichkeit eines Besseren belehrt und vor die Tür gebeten wurde. Der CEO hatte einen persönlichen Wunsch: er wollte mit seinen Gedanken und unseren Ideen ein paar Minuten alleine sein. Meine kompetent-engagierte Verkaufsförderung wurde auf später verschoben. Mit klopfendem Herzen und grummelndem Bauch blieb ich also außen vor und starrte stundenlang auf den verschlossenen Saal, ehe sich die Tür einen Spalt breit öffnete und mit ihr ein kleines Zeitfenster von dreißig Minuten, um das Feuerwerk unserer Ideen abzufeuern. Es endete, wie es enden musste – mit Applaus und Lob: „Very, very clever.“ Ich ahnte, dass dies nicht das Ende war. So war es auch: clever ist nicht gleichbedeutend mit clear. Ich hörte und lernte den schmerzlichen Unterschied zwischen selbsterklärend und erklärungsbedürftig. Wer in Sekundenschnelle Botschaften überbringen muss, sollte sein eigenes intellektuelles Ego zügeln und keine Scheu vor einfachen Gedanken haben. Der Vorteil ist, sie verstehen sich von selbst. Kein unerhebliches Kriterium, wenn man dafür einige Millionen Euro investiert. Ein teure und unvergessliche Lektion und einfache Wahrheit.

Merke: Bloß weil das Problem komplex ist, muss die Lösung nicht kompliziert sein.

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